Lehm – die Wiederentdeckung eines alten Bio-Baustoffes

Geschichte der  Lehmbauten

Die ersten Lehmbauten wurden vor fast 10.000 Jahren erstellt. In Deutschland findet Lehm bei der Restauration von Fachwerkhäusern längst wieder Verwendung. Doch entdeckt man seine guten Eigenschaften nun auch für den Neubau. Ein Förderprojekt arbeitet außerdem an Lehmfertigplatten mit integrierten Kapillarrohren zur Heizung und Kühlung.

„Immer mehr erkennen Architekten, dass sie sich in ihrer Planung nicht nur auf die größtmögliche Wärmedämmung und Energieeinsparung konzentrieren, sondern verstärkt ihr Augenmerk auch auf baubiologische Problemstellungen richten müssen. Ursache des Umdenkens ist die Zunahme zahlreicher Krankheiten, die Umweltmediziner auf ungesunde Wohnverhältnisse zurückführen. Diese findet man besonders häufig im hochgedämmten Neu- und sanierten Altbau“, erklärt der Berliner Arzt Dietrich von der Ropp.
Firmen in Deutschland beantragten nun bei der Europäischen Union ein Förderprojekt, bei dem die Anwendung von Lehmputz untersucht wird, auch, wie man nachträglich isoliert und saniert mit Dämmverbundplatten auf Lehmbasis und mit einer Wand und Deckenheizung und -Kühlung kombinieren kann. Dazu arbeiten sie auch mit Ansprechpartnern in Spanien zusammen. Dort wie im gegenüber liegenden Marokko kennt man ja eigentlich den Baustoff Lehm seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden. Doch moderne Baustoffe und viel Beton verdrängten auch hier den Naturstoff Lehm.

Denkmalschützer schätzen Lehm
Bei der Sanierung von mittelalterlichen Fachwerkhäusern holte man das Bauen mit Lehm in Deutschland schon vor Jahrn aus der Vergessenheit, indem man wieder ein uralt bewährtes Gemisch aus Lehm und Stroh anrührte und ins Gefach einsetzte. Inzwischen experimentiert man auch beim Neubau mit sogenannten Strohballenhäusern mit Lehmputzfassaden.
Pedro Gurriaran, ein bekannter Denkmalschutzarchitekt aus Málaga, der von der andalusischen Landesregierung und den Gemeinden zwischen Almeria und Algeciras für Restaurationen geholt wird von der Wiederherstellung des Torre de Reloj in Estepona bis zum Castillo Blanco in Almeria, einer früher maurischen Hochburg, setzt bei seiner Arbeit bei alten Mauern ein Lehm-Sand-Kalkgemisch ein. Er hat dazu eine Reihe von wissenschaftlichen Aufsätzen veröffentlicht, ist auch Professor an der Universität Sevilla. „Unsere auf diese Weise restaurierten mittelalterlichen Mauern sind an Stabilität dem Beton nicht unterlegen“, so Pedro Gurriaran. Er ist begeistert von diesem neuen Förderprojekt und ist mit an Bord.

Lehm hat viele gute Eigenschaften
Lehm hat die Eigenschaft, sehr viel Feuchtigkeit aufzunehmen und bei Bedarf wieder abzugeben. Das ist hier in Küstennähe besonders wichtig, um bei Levante, dem Ostwind, der vom Meer kommt und eine Luftfeuchtigkeit oft über 90 Prozent verursacht, besonders wichtig. Doch Lehmputz hält erwiesenermaßen selbst bei hohem Wasserdampfanfall die relative Luftfeuchte in einem Bereich von unter 60 Prozent. Das gilt jetzt umgekehrt auch für heiße Wüstenluft, die bei unter 30 Prozent Luftfeuchtigkeit die Schleimhäute austrocknet und für ein hohes Infektionsrisiko sorgt. Doch wurden in Lehmhäusern nie Luftfeuchten unter 40 Prozent gemessen laut Dietrich von der Ropp. Physiologisch gilt der Bereich zwischen 40 und 60 Prozent Feuchtigkeit als die gesündeste Luft und somit auch besonders gut geeignet für Allergiker. Schimmelbefall kann man in Lehmhäusern nicht sehen, weil Lehm alkalisch ist, Schimmel aber saure Untergründe bevorzugt.

Lehmwände haben Zukunft
Wir kennen natürlich alle den Ziegel, gebrannt aus Lehm und Ton. Aber in Zukunft geht es darum, nicht den Lehm zu brennen, sondern eben seine Speicherfähigkeit direkt zu nutzen als Lehmputz oder mit industriell vorgefertigten Platten für Wände oder Decken. „Wir untersuchen gerade im jetzigen Stand des Projekts, die Röhrchen für Heizen und Kühlen direkt einzuputzen“ so Reinhard Hefele von EQUIDEAS S.L. in Manilva, der langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet erneuerbarer Energien, und Einbau gesunder Klimatisierungen hat. Ihm kommt im Förderprojekt eine Schlüsselstellung zu Er ist nun dabei, entsprechende Produkte für die Markteinführung zu erforschen und zu testen.
Anschließend soll es in Andalusien eine eigene Produktion und den Vertrieb dazu geben. Ein Projekt, das Hoffnung macht bei der hohen dortigen Arbeitslosenzahl und traditionelles mit Umweltschutz-Knowhow verbindet.

Kleine Geschichte des Lehmbaus.
Es gilt als gesichert, dass die ersten Lehmbauten vor fast 10.000 Jahren erstellt wurden. Berühmt sind die neunstöckigen, oft 500 Jahr alten Lehmhäuser im Wadi Hadramaut im Südjemen oder die große Moschee der Stadt Djenné in Mali, UNESCO-Weltkulturerbe. Bei der Sonnenpyramide in Teotihuacan in Mexiko wurden von den Mayas zwei Millionen Tonnen Stampflehm verbaut, der auch bei der Chinesischen Mauer Verwendung fand. Sie wurde erst später mit Natursteinen verblendet. In Weilburg steht Deutschlands höchstes Stampflehmgebäude mit sechs Stockwerken, das 1836 errichtet wurde.

Artikel von Ing. Reinhard Hefele

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